Diakonie-Krankenhaus Wehrda

Akademisches Lehrkrankenhaus der Philipps-Universität Marburg

fachlich kompetent –
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Die DGD-Kliniken sind ein christlicher Klinikverbund, der den einzelnen Patienten als Menschen in den Mittelpunkt seines Handelns stellt und zugleich eine medizinische und pflegerische Versorgung auf höchstem Qualitätsniveau sicherstellt.

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Von Geburtsvorbereitung zum Babyfoto

Oberhessische Presse vom 14.02.2018

OP-Porträt über Ines Schwemmer, eine der dienstältesten Geburtshelferinnen im Landkreis

Einem neuen Menschen auf die Welt helfen, die Geburt hautnah erleben – das ist trotz aller Routine im Kreißsaal immer noch ein kleines Wunder für Ines Schwemmer, leitende Hebamme im Diakonie-Krankenhaus Wehrda.

von Ina Tannert

Marburg. Ein kleines Einbettzimmer im Krankenhaus, Farbakzente an der Wand, ein blauer Sitzball liegt in der Ecke, ein bunt gestreiftes Tuch hängt von der Decke. Sieht gar nicht aus wie ein Krankenzimmer – ist es auch nicht, es ist für schwangere Frauen gedacht. Und die sind nicht krank. „Du bist hier nicht im Krankenhaus, du bist hier auf der Entbindungsstation“, sagt Ines Schwemmer den werdenden Müttern immer über ihren Arbeitsplatz. An diesem kommen im Jahr rund 650 Kinder zur Welt – auch ihren eigenen Sohn hat sie dort geboren.

Eine Geburt ist wohl der natürlichste Prozess der Welt, erst recht für eine Hebamme. Sie ist als Expertin zur Stelle, greift im Notfall ein oder hält der werdenden Mutter einfach die Hand. „Eine gute Hebamme holt nicht nur ein Kind auf die Welt, sondern bereitet den Weg bis dorthin, von Anfang bis Ende“, sagt sie. Das beginnt bei der Geburtsvorbereitung, der Nachbehandlung und endet mit dem Erinnerungsfoto mit der Familie.

Ines Schwemmer macht das schon seit mehr als 30 Jahren. Weiß sie noch, wie viele Geburten sie begleitet hat? „Nein, bei 6000 habe ich aufgehört zu zählen“, sagt die 53-Jährige im knallpinken Polo-Shirt, ihrer Dienstkleidung im DKH. Dort ist sie seit 2009 leitende Hebamme.

Sie ist eine Frau, die spürbar im Leben steht, die Kraft und Ruhe ausstrahlt, dabei überraschend schnell spricht. Ein wenig Nervosität schwingt mit im Gespräch – sie steht nicht gerne im Fokus der Aufmerksamkeit, nicht an vorderster Front, „ich ziehe lieber die Fäden im Hintergrund“, erzählt sie. Das passt zu ihrem Wesen, zu ihrem Beruf – auch im Kreißsaal ist nicht sie, sondern die werdende Mutter Mittelpunkt des Geschehens. Sie selber steht in zweiter Reihe. Da fühlt sie sich wohl. Von dort aus hat Ines Schwemmer schon Tausenden Müttern den Rücken gestärkt.

Nur wenn Komplikationen auftreten, dann hat sie die Hosen an, kann zurückgreifen auf ein medizinisches Wissen, dessen Umfang vielen Menschen gar nicht bewusst ist. Hebammen übernehmen eine immens große Verantwortung, stützen sich dabei auf eine vielseitige Ausbildung. Die hat die gebürtige Wittenbergerin 1985 beendet. Einige Jahre arbeitete sie in einer Geburtsklinik in Sachsen-Anhalt, bevor sie mitihrem Ehemann aus der ehemaligen DDR flüchtete, zwei Tage vor dem Mauerfall. Sie zog nach Marburg, bekam drei Tage nach der Ankunft eine Anstellung in der ehemaligen Frauenklinik. Im Jahr 1990 wechselte sie ans DKH.

Ihr Job ist für sie „eine Berufung“, bei der die Anspannung steter Begleiter ist. „Bis heute ist es immer eine unheimliche Anspannung, bis das Kind da ist, gerade wegen der langen Berufserfahrung“. Weiß sie doch, was alles passieren kann. Ines Schwemmer ist realistisch, „eine Geburt ist wunderschön, aber egal wie toll es auch ist – ich muss immer damit rechnen, dass es schlecht endet, dazu sind wir ausgebildet“, sagt sie. Das belastet, das muss man aushalten können. Davor schützt auch die zweite Reihe nicht.

Hilfreich ist für sie eine angenehme Arbeitsatmosphäre in der Klinik, „die kleine Gemütlichkeit“, nennt sie die. An manchen Tagen ist es besonders stressig, zumal im Schichtdienst, mal gibt es keine Geburten, mal sechs an einem Tag. Dennoch genießt sie die Abwechslung. Ines Schwemmer hat ein besonnenes Gemüt, bis sie über die Probleme ihres Berufsstandes spricht.

Blickt sie zurück auf die Protestwelle der letzten Jahre, in denen immer mehr freiberufliche Hebammen die Segel streichenvor einer erheblichen Versicherungsbelastung – da kraust sich ihr die Stirn. Sie selber hat die Sicherheit einer festen Anstellung, zumal einer Führungsposition. Darüber ist sie froh, weiß sie doch, dass viele Kolleginnen mit der beruflichen Unsicherheit leben müssen.

Einen entspannten Alltag bringt auch ihre Position nicht mit sich. Wie jede Hebamme muss sie situationsabhängig „von null auf hundert“ agieren können. Einen Ausgleich zum stressigen Berufsalltag hat sie dafür im Sport gefunden, beim Fahrrad fahren oder Waldspaziergängen, und vor allem in der Stille: „In der Freizeit brauche ich einfach auch mal absolute Ruhe, dann fahre ich runter und tanke auf – bis zur nächsten Geburt“.

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