Diakonie-Krankenhaus Wehrda

Akademisches Lehrkrankenhaus der Philipps-Universität Marburg

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Den Schmerz-Teufelskreis durchbrechen

Oberhessische Presse vom 02.06.2018

Die multimodale Schmerztherapie am Diakoniekrankenhaus verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz

Die stationäre Schmerztherapie am Diakonie-Krankenhaus Wehrda soll Schmerzpatienten für den Alltag wieder fit machen.
von Till Conrad

Das Team der Multimodalen Schmerztherapie mit Dr. Frank Dittmar (Mitte) und Dr. Winfried Hoffmann (rechts). Foto: Laackman Fotostudios Marburg

Marburg. „Multimodale Schmerztherapie“ nennt sich der Weg, dem sich am Diakonie-Krankenhaus Dr. Winfried Hoffmann und Dr. Frank Dittmar verschrieben haben. Facharzt für Anästhesiologie und Arzt für spezielle Schmerztherapie der eine, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie der andere, haben sie ein Konzept entwickelt, mit dem in Zusammenarbeit verschiedener therapeutischer Disziplinen Schmerzen umfassend behandelt werden.

Die dreiwöchige Therapie wird stationär am Diakonie-Krankenhaus angeboten: in Gruppen mit maximal acht Teilnehmern. Für jeden einzelnen Teilnehmer wird, so berichtet Dr. Dittmar, ein abgestimmtes Behandlungskonzept entwickelt, in dem körperliche Verfahren wie Nordic Walking, Bewegung im Wasser oder Physiotherapie ebenso eine Rolle spielen wie Kunst- oder Musiktherapie, psychologische Verfahren wie Verhaltenstherapie oder Entspannungs-Techniken. Jeder Patient erhält während seines stationären Aufenthaltes knapp 100 Therapieeinheiten.


Einmal pro Woche treffen sich alle an den Therapien beteiligten Ärzte und Therapeuten zu einer Teamsitzung, um über jeden einzelnen Patienten zu sprechen.

Volkswirtschaftlich gesehen verursachen Rückenschmerzen einen Schaden von mehreren Milliarden Euro pro Jahr, berichtet Dittmar. Zwei Drittel der Summe entfallen auf Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentungen.

Darum ist ein wichtiges Ziel, die Arbeitsfähigkeit der Patienten wenn möglich zu erhalten. Im Rahmen der Therapie geht es deswegen auch darum, über die Beibehaltung oder die Wiederaufnahme von Berufstätigkeit zu informieren und – ganz wichtig – die Angehörigen mit ins Boot zu holen.

Behandelt werden im Diakonie- Krankenhaus vor allem chronische Schmerzen, also Schmerzen, die schon länger als drei Wochen bis sechs Monate andauern. „Je früher Schmerzen behandelt werden können, desto besser“, sagt Dr. Hoffmann. „Aber es ist schon gut, wenn wir Patienten erstmals drei Monate nach Auftreten der Schmerzen sehen“, sagt Dr. Hoffmann. Viele Patienten seien oft schon bei zahlreichen Ärzten gewesen und entsprechend verzweifelt, ehe sie in der multimodalen Schmerztherapie landen. Oft genug gibt es keine erkennbare körperliche Ursache für den Schmerz. Eine Erklärung dafür kann sein, dass, wenn Menschen über lange Zeit an Schmerzen leiden, sich ein sogenanntes „Schmerzgedächtnis“ im Gehirn und Rückenmark bilden kann: Der ursprüngliche Schaden ist verheilt, doch der Schmerz bleibt bestehen. Dieses Schmerzgedächtnis kann behandelt werden, sagen Dr. Dittmar und Dr. Hoffmann. Nicht jedem Patienten können die Ärzte den Schmerz nehmen. Aber sie wollen dafür sorgen, dass die Patienten anders mit ihrem Schmerz umgehen. „Oft ist es ein Teufelskreis“, sagt Dr. Frank Dittmar: „Der Patient hat Schmerzen, er zieht sich zurück, wird inaktiver, nimmt weniger am gesellschaftlichen Leben teil – nichts ändert sich, oft werden die Schmerzen wegen Bewegungsmangels eher noch schlimmer.“

Individueller Plan für Zeit nach Klinikaufenthalt

Diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist eines der Ziele der multimodalen Therapie – und das, davon ist Dr. Dittmar überzeugt, geht am besten mit einem ganzheitlichen Ansatz, der verschiedene Therapieformen kombiniert und die Eigeninitiative der Patienten stärkt. „Was kann ich tun, um meine gesunden Anteile zu stärken?“ ist deswegen während der Therapie eine immer wiederkehrende Fragestellung. Danach wird ein individueller Handlungsplan, auch für die Zeit nach der stationären Therapie, entwickelt. Das Wirbelsäulenzentrum Marburg, die Psychotherapieambulanz des Fachbereichs Psychologie und das Zentrum für Osteopathie und Physiotherapie am Hebronberg sind wichtige Partner, mit denen eine enge Zusammenarbeit stattfindet. (Reihenfolge geändert!) „80 bis 90 Prozent der Patienten verlassen uns in einem besseren Zustand als sie gekommen sind“, sagt Dr. Dittmar.

Wichtig ist für Dr. Dittmar vor allem aber auch die Zusammenarbeit mit Arbeitsverwaltung und Sozialkassen – schließlich geht es um nichts weniger als darum, der Chronifizierung der Schmerzen entgegenzuwirken und die Patienten dem Arbeitsmarkt zu erhalten, im Notfall auch mit einem anderen, leidensgerechten Arbeitsplatz. Ziel ist es, die Patienten nach dem stationären Aufenthalt mit einem anderen Herangehen an ihre Krankheit in den Alltag zu entlassen – gegebenenfalls in eine Selbsthilfegruppe oder in ein familiäres Umfeld, das in den Umgang mit dem Schmerz eingebunden ist.

Mehr Informationen unter mms-marburg.de im Internet.

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