Diakonie-Krankenhaus Wehrda

Akademisches Lehrkrankenhaus der Philipps-Universität Marburg

fachlich kompetent –
    christlich engagiert

Die DGD-Kliniken sind ein christlicher Klinikverbund, der den einzelnen Patienten als Menschen in den Mittelpunkt seines Handelns stellt und zugleich eine medizinische und pflegerische Versorgung auf höchstem Qualitätsniveau sicherstellt.

www.dgd-kliniken.de

„Wir haben keine Rendite-Erwartung“

Oberhessische Presse vom 15.09.2017

Diakonie-Krankenhaus Wehrda betont Abgrenzung zur von der Rhön AG betriebenem Universitätsklinikum

Was vor 80 Jahren als Not-Lazarett begann, hat sich zu einem modernen Klinikbetrieb mit rund 13 000 Patienten pro Jahr entwickelt. Eine OPMini-Serie blickt auf das Diakonie-Krankenhaus Wehrda (DKH).

von Ina Tannert

Marburg. Etwa 8000 Patienten sind stationär und rund 5000 Patienten ambulant in der Klinik auf dem Hebronberg. Die setzt als Grund- und Regelversorger auf feste Schwerpunkte. Auf allen Stationen stehen insgesamt knapp 200 Betten zur Verfügung. Rund 440 Mitarbeiter sind im Klinikbetrieb tätig, davon alleine 130 im Bereich Pflegedienst.

Insbesondere im Akutgeriatrischen, Allgemeinchirurgischen, in der Gynäkologie, der Geburtshilfe und im Internistischen Bereich sieht sich das DKH stark aufgestellt, besinnt sich darüber hinaus auf den diakonischen Ursprung. Im Mittelpunkt des Betriebes steht der Mensch, weniger wirtschaftliche Interessen – so lautet das Kredo der Klinik, deren christlicher Hintergrund nicht versteckt werden soll. Krankenhausdirektor Volker Röhrig und Dr. Michael Gerhard, Geschäftsführer Deutscher Gemeinschafts-Diakonieverband GmbH über das Krankenhaus, das oft im Schatten des Universitätsklinikums Gießen-Marburg steht.

OP: Das DKH ist ein frei-gemeinnütziges Unternehmen und gehört einem evangelischen Klinikverbund an. Was ist das Selbstverständnis eines diakonischen Krankenhauses?

Dr. Michael Gerhard: Entstanden ist das DKH in 1940er-Jahren aus einem Hilfslazarett des Diakonissen-Mutterhauses heraus, ist heute eine Klinik des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes mit Sitz in Marburg. Wie jedes Krankenhaus müssen auch wir natürlich wirtschaftlich arbeiten. Gewinne zu erzielen steht dabei aber nicht an erster Stelle. Die Klinik ist nicht ausschließlich nach marktstrategischen Gesichtspunkten strukturiert. Als christliches Krankenhaus haben wir keine bestimmte Rendite-Erwartung eines Eigentümers. Alle Überschüsse, die bei uns im Krankenhausbetrieb erwirtschaftet werden, stehen wieder als Reinvestitionen zur Verfügung. Das Evangelische daran ist, dass wir uns eine Selbstverpflichtung auferlegen, was die Art und Weise der Zuwendung für die Patienten und Mitarbeiter mit ganzheitlichem Ansatz betrifft. Der Begriff Diakonie ist eine Marke. Das heißt, wir haben ein Markenversprechen, auf das die Patienten vertrauen. Dem müssen wir gerecht werden und die Marke pflegen, durch Qualität.

OP: Das DKH ist eine Klinik der Grund- und Regelversorgung. Wo liegen medizinische Schwerpunkte des Krankenhauses?

Volker Röhrig: In erster Linie sind wir immer Krankenhaus und wollen die beste medizinische Versorgung für unsere Patienten. Unser Ansatz hat aber auch etwas mit unserem Menschenbild zu tun, wie wir miteinander, in der Führung von Mitarbeitern und mit Patienten wie deren Angehörigen umgehen wollen. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Das ist für uns kein abgegriffenes Motto, keine leere Phrase, sondern eine Haltung, die wir jeden Tag ernst nehmen wollen. Neben der medizinischen Versorgung sind für uns daher seelsorgerische Themen wichtig. Den Patienten stehen im Haus sowohl evangelische als auch katholische Seelsorger zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es einen etablierten Krankenhausbesuchsdienst, der sich mit ehrenamtlichem Engagement um die Belange der Patienten kümmert. Dabei ist es völlig unerheblich, ob diese überhaupt und wenn ja, welcher Konfession angehören. In einer Klinik geht es um existentielle Dinge, manchmal um Grenzerfahrungen, von dauerhaften Einschränkungen bis hin zum Tod. Patienten kommen ja nicht ganz freiwillig in ein Krankenhaus. Häufig haben sie Angst vor der Diagnose oder vor Schmerzen, die mit der Therapie verbunden sein können. Wir erleben oft, dass die Ansprache den Menschen hilft über eine nicht einfache Zeit hinweg zu kommen. Neben der eigentlichen medizinischen Versorgung, kann auch die Menschlichkeit eine wichtige Medizin sein. Auf Wunsch übertragen wir ebenfalls Gottesdienste aus der Evangeliumshalle und aus dem Andachtsraum direkt in die Patientenzimmer.

OP: Das DKH ist kein Maximalversorger, hat also Grenzen im Angebot. Welche medizinischen Leistungen werden nicht abgedeckt?

Gerhard: Es gibt medizinische Bereiche, für die wir keinen Versorgungsauftrag haben, etwa die Haut- und Augenheilkunde sowie die Urologie. Im DKH gibt es keine Neurologie und keine Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Dafür sind wir auch nicht da. Diese Bereiche deckt das Universitätsklinikum als überregionaler Maximalversorger ab. Beide Kliniken arbeiten dabei sehr konstruktiv zusammen. Das Gleiche gilt für ein partnerschaftliches Miteinander mit niedergelassenen Fachund Hausärzten. Als akademisches Lehrkrankenhaus des UKGM beteiligen wir uns zudem an der Ausbildung junger Mediziner.

OP: Wie sieht die Zukunft der Klinik aus?

Röhrig: Wir arbeiten immer daran, bestehende Schwerpunkte noch weiter auszubauen. Das gilt etwa für die Viszeral-Chirurgie, die künftig erweitert werden soll. Ebenfalls für die Entwicklung neurologischer Schwerpunkte in der Geriatrie. Im Verhältnis zu Maximalversorgern sind wir sicher ein kleines Krankenhaus, das jedoch unabhängig von seiner Größe auch in Zukunft in den angebotenen Leistungssegmenten eine exzellente Medizin anbieten wird. Wir wollen weiter wachsen und brauchen uns nicht zu verstecken, da sind wir schon selbstbewusst.


Das Diakoniekrankenhaus in Zahlen


Das Diakoniekrankenhaus in Wehrda hat 435 Mitarbeiter – und die 57 Ärzte stellen darunter nicht die größte Gruppe. Die meisten Menschen sind im Pflegedienst tätig (130), in der medizinisch-technischen Abteilung des Krankenhauses arbeiten 53 Angestellte. Schülern, Funktionsdienste und Hauspersonal sowie Verwaltungzählen ebenfalls zu den größten Personengruppen.

In der Klinik am Hebronberg sind zuletzt rund 7800 stationär behandelte Fälle registriert und rund weitere 5150 Fälle mit ambulanter Behandlung verzeichnet worden. Das geht aus dem Fallzahlbericht des Krankenhauses hervor.

Ein Schwerpunktbereich ist demnach die Gynäkologie, die offenbar vor allem von jungen Patientinnen aufgesucht wird: Das Durchschnittsalter der 2016 in der Abteilung Behandelten lag bei 20,2 Jahren. 650 Geburten hat es in dem Jahr gegeben.

Keine andere Wehrdaer Abteilung hat mehr zu tun als die Innere Medizin: Mehr als 3700 Fälle, vor allem wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen der Verdauungsorgane, sind dort registriert.

Eine weitere Schwerpunktabteilung ist die Chirurgie, bei der die Zahl der Knie- und Hüftoperationen zu den meistdurchgeführten zählte (177 bzw. 155).

Die Geriatrie, eine Spezialdisziplin mit dem Fokus auf den Krankheiten alternder Menschen, war Anlaufstelle für 644 Patienten.

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