Chronische Erkrankungen verändern den Alltag oft schrittweise. Was an einem Tag problemlos funktioniert, kann an einem anderen plötzlich schwieriger sein: Schwindel beim Aufstehen, Unsicherheit beim Gehen oder eine ungewohnte Schwäche können dazu führen, dass alltägliche Situationen wie Treppensteigen oder der Weg ins Badezimmer zum Risiko werden. Besonders bei Menschen mit Herzerkrankungen können die Krankheit selbst, aber auch Medikamente, Blutdruckschwankungen oder zusätzliche Erkrankungen dabei eine Rolle spielen.
KHK und Herzinsuffizienz
Bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die Herzkranzgefäße verengt – der Herzmuskel wird insbesondere bei Belastung weniger gut durchblutet und dadurch schlechter mit Sauerstoff versorgt. Mögliche Beschwerden sind Druck oder Schmerzen im Brustbereich, Atemnot oder eine eingeschränkte Belastbarkeit.
Bei einer Herzinsuffizienz, also einer Herzschwäche, reicht die Leistung des Herzens nicht aus, um den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Je nach Form kann dabei die Pumpfunktion eingeschränkt oder die Füllung des Herzens mit Blut beeinträchtigt sein. Typische Beschwerden sind unter anderem Atemnot, Müdigkeit und Körperwassereinlagerungen.
Beide Krankheitsbilder können sich unterschiedlich bemerkbar machen. Neue oder veränderte Beschwerden sollten daher frühzeitig ärztlich angesprochen werden.
Medikamente und der Kreislauf
Viele Menschen mit chronischen Herzerkrankungen nehmen parallel unterschiedliche Medikamente ein. Diese können Einfluss auf Blutdruck, Herzfrequenz oder Flüssigkeitshaushalt haben. Je nach Präparat und Kombination können Schwindel, Schwäche oder ein zu niedriger Blutdruck auftreten. Das kann außerdem das Sturzrisiko erhöhen.
Verändert sich die gesundheitliche Situation, etwa durch einen Infekt oder hohe Temperaturen, kann eine Anpassung der Medikation erforderlich sein. Änderungen an der Dosierung oder das Absetzen von Medikamenten sollten jedoch immer mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Bei Hitze und Fieber auf den Flüssigkeitshaushalt achten
Hohe Temperaturen können den Kreislauf zusätzlich belasten. Der Körper gibt Wärme unter anderem über eine Erweiterung der Blutgefäße ab. Gleichzeitig geht durch Schwitzen, welches der Körper zur Abkühlung benötigt, Flüssigkeit verloren – der Blutdruck kann dadurch sinken und Schwindel auftreten. Auch Fieber kann den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen. Bei Menschen mit Herzerkrankungen kann deshalb je nach Situation eine Anpassung der Medikation erforderlich sein. Das betrifft beispielsweise entwässernde Medikamente.
„Gerade bei großer Hitze, aber auch bei Infekten mit Fieber, kann es notwendig sein, Herzmedikamente anzupassen, zum Beispiel entwässernde Medikamente. Sonst kann dem Körper zu viel Flüssigkeit entzogen werden. Viele Patienten trauen sich nicht, ihre Medikation anzupassen, deshalb sollten sie in solchen Situationen Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten“, empfiehlt Michel André Bott, Chefarzt der Inneren Medizin.
Auch eine zuvor verordnete Trinkmenge sollte insbesondere bei einer Herzinsuffizienz nicht eigenständig verändert werden. Ob und wie die Flüssigkeitszufuhr oder Medikation angepasst werden sollte, hängt von der individuellen Situation ab.
Langsam aufstehen und Stürze vermeiden
Auch ein erhöhtes Sturzrisiko wird bei Menschen mit Herzerkrankungen häufig unterschätzt. Nach längerem Liegen kann der Blutdruck beim schnellen Aufstehen vorübergehend abfallen. Wer dabei zu Schwindel neigt, sollte besonders auf sich achten. Ein Rat vom Chefarzt: Erst vom Liegen ins Sitzen und dann ins Stehen übergehen: „Setzen Sie sich zunächst im Bett auf, bleiben Sie dann einen Moment sitzen und stehen erst anschließend langsam auf – so kommt der Kreislauf besser mit.“
Unterschätzt werde außerdem oft die Wohnumgebung, auch diese lässt sich sicherer gestalten: Lose Teppiche, Kabel, schlecht beleuchtete Wege oder Gegenstände auf Treppen sind mögliche Stolperfallen. Eine gute Beleuchtung, freie Wege und geeignete Haltemöglichkeiten können dazu beitragen, Stürze zu vermeiden.
Diabetes kann die Standsicherheit zusätzlich beeinträchtigen
Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker kann Folgeerkrankungen an Netzhaut und Nerven verursachen: Eine diabetische Retinopathie geht mit Veränderungen des Sehvermögens einher. Bei einer diabetischen Neuropathie ist die Wahrnehmung von Berührungen, Druck, Temperatur oder Schmerzen an den Füßen teilweise herabgesetzt. Je nach Ausprägung erschwert dies die Orientierung beim Gehen und erhöht das Risiko für Verletzungen oder Stürze.
„Bei einer eingeschränkten Tiefenwahrnehmung, wie sie unter anderem durch Diabetes auftritt, kann bei Patientinnen und Patienten ein Schwindelgefühl auftreten. Deshalb ist eine möglichst stabile Einstellung des Blutzuckers wichtig“, erklärt Bott.
Regelmäßige augenärztliche Kontrollen und die Kontrolle der Füße gehören zur Behandlung und Vorsorge bei Diabetes. Gut sitzendes Schuhwerk und eine gute Beleuchtung tragen zusätzlich dazu bei, Verletzungen und Stürze zu vermeiden.
Nach einem Sturz: Blutgerinnungshemmende Medikamente beachten
Wer blutgerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte nach einem Sturz besonders aufmerksam sein, da diese das Risiko für Blutungen erhöhen können. Das gilt insbesondere nach einem stärkeren Aufprall auf den Kopf. Nach einem solchen Sturz sollte, insbesondere bei Symptomen wie längerem stärkerem Kopfschmerz mit neuen neurologischen Symptomen, ärztlich geklärt werden, ob eine Untersuchung notwendig ist.
Warnzeichen ernst nehmen
Grundsätzlich gilt im Notfall natürlich: Bei starken Brustschmerzen, ausgeprägter Atemnot, Bewusstlosigkeit oder anderen schweren akuten Beschwerden sofort den Notruf unter 112 wählen.
Wenn bei einer chronischen Herzerkrankung neue, nicht akut lebensbedrohliche Beschwerden wie Schwindel, Atemnot, Herzbeschwerden oder Unsicherheit beim Gehen auftreten, sollten diese zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Unsere Kardiologie
In unserer Klinik stehen dafür verschiedene diagnostische Verfahren und Hilfsmittel zur Verfügung. Darunter insbesondere der Herzultraschall, das EKG, Langzeit- und Belastungs-EKG, und weitere, nicht invasive bildgebende Untersuchungen wie die Computertomographie oder die Magnetresonanztomographie.
Sie haben Fragen zu Ihren Beschwerden oder möchten eine kardiologische Untersuchung vereinbaren? Das Team der Kardiologie ist telefonisch unter 06421 808-113 oder per E-Mail unter sekretariat-innere@dkh-wehrda.de erreichbar.
Auch unsere Praxis für Innere Medizin und Kardiologie im DGD Marburger MVZ steht Ihnen gerne für Anfragen und Anliegen zur Verfügung: Erreichbar unter 06421 808-4381 oder per E-Mail an innere.kardiologie@mmvz.de.

